Reise 2019 Australien


Mit dem Auto durch Down Under

17. Oktober 2019

80 Mile Beach - Tom Price und der

Karijini Nationalpark

Auf unserem Weg entlang der Nordwestküste Western Australiens erstreckt sich ca. in der Mitte zwischen Broome und Port Headland ein unendlich langer weißer  Sandstrand. 

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Der Strand ist 220 km lang (ich habe keine Ahnung, wieso er dann 80 Miles Beach heißt, weil das sind ja 140 Meilen) und bildet die Küstenlinie, an der die Große Sandwüste auf den Indischen Ozean trifft. 

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Schade ist nur, dass es hier gefühlte tausend Fliegen gibt. Invasionsartig fallen sie frühmorgens über uns her. Wir packen in Windeseile zusammen und verlassen fluchtartig, noch mit der heißen Tasse Kaffee in der Hand, den Campground. 

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In Port Headland biegen wir links ab und fahren über 300 km am Great Northern Highway in Richtung Süden. Die Straßen sind gut asphaltiert und wir teilen sie mir riesigen Road Trains. Nein, nicht etwas die mit den 3 Anhängern. Mindestens 4, wenn nicht 5 ziehen die großen Brummer hier. Dazu kommen dann auch noch die Sondertransporte mit Begleitfahrzeug, die mehr als die Hälfte der Straße in Anspruch nehmen. 

Dann des Pudels Kern: Es gibt hier ein Bergwerk, die Mount Tom Price Mine, das der weltweit tätigen Firma Rio Tinto gehört. Die Bergbaugesellschaft ist der größte Arbeitgeber in der Gegend und verfügt über - ich glaub - 16 Minen, die ca. 350 Millionen Tonnen Eisenerz pro Jahr produzieren. Sie beschäftigt mehr als 12000 Arbeitnehmer, verfügt über mehr als 40 LKWs und besitzt ein 1,700 km langes Eisenbahnnetzwerk und die dazugehörige Infrastruktur. 

Das meiste Eisenerz geht nach China und kommt als Edelstahl, made in China, wieder retour. Ob das jetzt gut ist, kann jeder für sich selber beantworten. Tom Price die höchstgelegene Kleinstadt WA (747 m ü.M. - keine 3000 Einwohner) lebt auf jeden Fall von diesem Unternehmen. Und gar nicht schlecht, denn die Bergarbeiter haben einen Lohn, der das Durchschnittseinkommen ganz Australiens überschreitet. 

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Von Tom Price aus besuchen wir den Karijini-Nationalpark, der für seine raue Kulisse mit Schluchten und Wasserfällen bekannt ist. 

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Auch hier müssen wir wieder einige Kilometer auf Schotterpisten fahren. 

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Es hat über 40 Grad und die kurze Wanderung am Dales Gorge bringt mich fast an meine körperlichen Grenzen. 

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Die Fortescue Falls sind bei dieser Hitze besonders begehrt. Es sind gerade Schulferien und Familien pilgern mit großen Rucksäcken und einer Kinderschar hierher, um etwas Erholung zu finden. 

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Ich wandere weiter zum Fern Pool - in der Hoffnung ein kaltes Bad mit weniger Menschen genießen zu können. Denkste…..

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Aber es ist wirklich idyllisch hier, obwohl ich nicht alleine bin, kann ich die mystische Atmosphäre, den dieser Ort ausstrahlt, fühlen.  

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2 Tage verbringen wir im Nationalpark, dann haben wir beide genug von Staub und Hitze. Wir wollen an die Küste, wo die Weiten den Indischen Ozeans und unsere Freunde (hoffentlich) auf uns warten….

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Paraburdoo, Western Australia 

08. Oktober 2019

Abseits der asphaltierten Strassen in einem versteckten Paradies

Dampier Halbinsel und Cape Leveque 

Seit tausenden Jahren gehört die Dampier Peninsula den Aborigines. Nur 2 Straßen führen in dieses versteckte Juwel. Eine führt an die Westküste und die andere von Broome durch das Zentrum der Halbinsel ganz an den nördlichen Spitz zum Cape Leveque, das zu den Western Kimberleys gehört. 

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Die beiden Rudis schwärmen von diesem Paradies im Norden, überzeugen uns schnell und statten uns aus. Der eine mit einem Kompressor, damit wir unseren Reifendruck für die ungeteerten Stecken ablassen können und der andere kommt mit einer Schaufel daher. Für den worst case im Sand. 

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Wir haben für Euch ein kurzes Video auf YouTube hochgeladen. Ihr seht wie wir in der ca. 90 km langen zerfurchten Cape Leveque Road eingestaubt werden und uns durch tiefe rote 40 km lange Sandstrassen manövrieren. Ein Allrad-Fahrzeug ist hier unerlässlich. 

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Und dann zeigen wir Euch noch spektakuläre Bilder von kristallklarem Wasser, weißen Sandstränden, beeindruckenden Klippen und unberührter Natur. 

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Die Campgrounds sind wild und einfach, die Sonnenuntergänge am Indische  Ozean atemberaubend. 

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Auch dieses off-road Abenteuer wird uns unvergesslich in Erinnerung bleiben. Schön wars….

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Enjoy our video:

30. September 2019

Broome with a million dollar view

und morgens denk ich an den Danzer…..

Broome, die kleine Stadt mit ca. 15.000 Einwohnern liegt am Indischen Ozean an der Westküste Australiens, im tropischen Norden der Western Kimberleys. Wir mieten uns neben unseren Freunden aus der Schweiz am Campingplatz ein. Der Spot ist winzig, aber groß genug für unseren Jeep mit Penthouse und mit einer Million Dollar View: 

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Gemeinsam mit Frauke und Rudi entführen uns Silvia und Benu zum Sunset an den Gantheaume Point. 

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Hier kann man bei Niedrigwasser noch Fußspuren von Dinosauriern sehen. Kein Scherz. Die Existenz von Spurenfossilien im Broome-Sandstein ist wissenschaftlich belegt und einige davon gehören zu den ältesten der Welt. In der Mythologie der lokalen Ureinwohner spielen diese eine wichtige Rolle. 

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Nicht nur wir sind glücklich hier ….

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In Broome verschmelzen rote Erde, weißer Sand, türkisblaues Wasser und blauer Himmel ineinander. Alle läuft etwas langsamer und relaxter ab, als im restlichen Australien. Irgendwie hab ich das Gefühl in einer Gemeinde mit „Flower-Power“ Spirit gelandet zu sein. 

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Wir sind bei Rudi, einem anderen Schweizer eingeladen, der schon seit 7 Jahren hier lebt. Er meint: Hier sind wir (im Vergleich zur Schweiz) noch 30 Jahre zurück. Der sympathische 42 jährige Junggeselle hat ein wunderschönes riesiges Haus und scheint ein noch größeres Herz zu haben. Mit 20 bereiste er erstmals Australien und verliebt sich auf Anhieb in das Land. Mit 35 war er total am Boden. Stress, Drogen, Alkohol und ein Burnout ließen ihn den Sinn des Lebens hinterfragen. Dann verließ ihn seine Freundin und er die Schweiz.  Das Visum für Down Under erhielt er aufgrund seiner beruflichen Qualifikation innerhalb kürzester Zeit. Er verkaufte Hab und Gut, ließ sich seine Rentenansprüche ausbezahlen und wanderte aus - ans (andere) Ende der Welt:  nach Broome. 

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Sein Haus hat offene Türen und das Gaucho Barbecue, das er für seine Gäste und Freunde veranstaltet wird zu einer richtigen Fete.  Irgendwann zähle ich: wir sind 13 Leute. Die süße Manu stammt aus Berlin, ihr Freund Richie, der Kiwi verdient sich seine Dollar hart am Grund des Meeresbodens als Perlentaucher. Am eigenen Grundstück auf der Coromandel Halbinsel steht ein Wohnwagen. Jedes Jahr im Sommer sind sie dort und arbeiten an ihrem Lebenstraum: Ein kleines Haus, ein eigener Gemüsegarten und ein Campingplatz - mit Aussicht auf Mercury Island. Ein Segelboot muss auch noch her, damit man den Urlaubern Touren  aufs Wasser anbieten kann. Reich wollen wir nicht werden damit, aber so ein Leben stellen wir uns beide sehr schön vor……

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Heri stammt aus Bayern und ist vor 20 Jahren ausgewandert. Er passt wunderbar in die Gruppe und weiß viel über Land und Leute zu berichten. Die Nachbarn sind ebenfalls Schweizer und leben mit ihren Kindern seit 6 Jahren hier. Nur SY (er heißt wirklich so) ist waschechter Aussie. Auch er war passionierter Racer am Wasser. Auf einer "Aussie 18" fuhr er Rennen in Sydney Harbour. Das ist ein Skiff 18 ft, das aufgrund seiner Beweglichkeit, Stärke und Rennfähigkeit als Top Class Boot unter den kleinen Rennbooten bekannt ist. Dann hat er sich der Unglückliche vor ca. einem Jahrzehnt die Wirbelsäule mehrmals gebrochen, als er von seinem Truck fiel. Das war das Ende seiner Segelkarriere. 

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Am Tag gehen wir auf den Cable Beach zum Schwimmen. Den Namen verdankt der 22 km lange weiße Sandstrand der ersten Telegrafenkabelverlegung zwischen Java und Australien 1889. 

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Abends lädt Frauke zum Überraschungsdinner. 

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Zufällig kommen Gudrun und Peter vorbei, die wir aus Darwin kennen. Die beiden Deutschen sind seit 2018 mi ihrem eigenen Wohnmobil auf den Straßen Neuseelands und seit Mai in Australien unterwegs. 

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Frauke macht eine riesige Pfanne Paella und so wird es wieder eine kleine Party, dieses Mal am Strand mit Ausblick auf den Indischen Ozean. 

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Rudi zündet ein Stück Zedernholz an, das er von einem Aborigines hat. Das hilft gegen Sandfliegen, Moskitos und vertreibt die bösen Geister. 

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Das Leben ist schön, noch schöner an so einem idyllischen Fleckchen Erde - und am allerschönsten im Kreise von so lieben, herzlichen Menschen. Unbezahlbar auch das.

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Und morgens dann aufwachen und so eine Aussicht genießen: 

Mir fällt der gute alte Danzer ein: Zwickt`s mi…..

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27. September 2019

Spiderwoman in einem Weltkulturerbe 

Bungle Bungle Range im Purnululu NP

Die Bungle Bungles wurden vor mehr als 15 Jahren wegen 2 Besonderheiten ins Weltkulturerbe der UNESCO aufgenommen. Zum einen war es die außergewöhnliche Naturschönheit die bezauberte und zum anderen war es der unheimliche geologische Wert dieses Parks. 

Der Anblick dieser dramatisch geformten Naturfelsen muss sündhaftteuer über Bus- oder Helikoptertouren erkauft werden, oder man macht es so wie wir auf eigene Faust mit einem 4x4 Jeep. Um die rund 200 km auf Waschbrettpisten so angenehm wie möglich zu machen, haben wir den Reifendruck um 30 Prozent abgesenkt.

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Am kommenden Montag ist hier die Saison zu Ende. Dementsprechend schlecht ist der Zustand der Straßen. Wir holpern langsam über Furchen, Rillen und spitzes Gestein. Dass diese Wege teilweise durch ausgetrocknete Flussläufe führen, macht die Fahrt nicht einfacher. 

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Die Aborigines lebten in diesem Teil Australiens bereits seit mehr als 20.000 Jahren, als ein gewisser Alexander Forrest 1879 die erste koloniale Entdeckungstour auf der Suche nach Nutzvieh oder anderen Ressourcen in die Kimberleys führte. Gold wurde gefunden, Missionare kamen mit Schafen und Kühen und die pastorale Industrialisierung des Landes nahm ihren Lauf. 2003 erst wurde das Land durch die Aufnahme ins World Heritage Programm unter Schutz gestellt. 

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Die Menschen leben noch immer in dieser Region, nutzen das Land  und seine Ressourcen. In Zusammenarbeit mit der Regierung und den Parkrangern wird aber heute penible darauf geachtet, dass die kulturellen Verpflichtungen gegenüber Landschaft, Flora und Fauna eingehalten werden. 

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Wir wandern in die Schlucht und bestaunen die über 360 Millionen Jahre alten Sandsteine. Durch die Einwirkung von fließendem Wasser und heftigen Winden wurden in Abermillionen Jahren diese surrealen, domartigen Gebilde geschaffen. 

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Der Tag war heute bewölkt und am Nachmittag sieht es nach Gewitter aus - und tatsächlich dürfen wir ihn miterleben: den 1. Regen seit 12 Monaten in dieser Region! 

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Der Campground ist sehr spartanisch ausgestattet. Es gibt ungefiltertes Wasser und ein Plumpsklo. Die Küche bleibt heute kalt, dafür wärmt uns ein Fläschchen Cabernet Sauvignon und nachts haben wir einen Himmel voller Sterne - ganz für uns alleine. Unbezahlbar! 

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Der Regen hat Abkühlung gebracht. Am nächsten Morgen haben wir nur 22 Grad C. und entschließen uns daher noch eine Nacht hier zu verbringen und auch noch auf die Nordseite des Nationalparks zu fahren. 

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Purnululu Gorge Road „The Bloodwoods“ 

Vormittags unternehme ich einen kurzen Trip in das Homestead Valley.

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Wir haben getrödelt beim späten Brunch am Bloodwoods Rastplatz. (Nein, natürlich gibt es hier kein Restaurant im Park - wir haben es uns selbst gemacht) Jetzt ist es bereits 2 Uhr nachmittags und die Sonne brennt gnadenlos in die Schlucht. Hannes sitzt im Schatten, aber ich raffe mich auf und mache mich auf den Weg in die Echidna Gorge. 

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Das Nachmittagslicht beleuchtet die roten Felsen. Ein blauer Himmel, durchspickt mit wenigen weißen Wolken und das Grün der Palmen. Solche Bilder sieht man in den Werbeprospekten. Ich bin begeistert und dringe tiefer in die Schlucht vor. 

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Kurz vorm Ziel dann noch ein paar Hürden. Riesige Felsbrocken scheinen den Weg zu versperren. Ich folge den Holländern, die sich durchschlängeln. 

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Nur für Schlanke: winzige Felsspalten!

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Dann geben die Niederländer auf. Eine Felsspalte ist gefüllt mit trübem Wasser. Angeblich knietief zu durchwaten. Oder man spielt Spiderwoman. 

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Fazit: Die Fahrt war mehr als anstrengend, aber die Eindrücke, die uns geboten wurden sind unbezahlbar und unvergesslich. Der Jeep hat die harte Tour, die wir ihm zugemutet haben souverän gemeistert. Wir sind froh, dass wir uns für einen Allrad entschieden haben, sonst hätten wir dieses Abenteuer im Outback der Kimberleys bestimmt nicht erlebt. 

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23. September 2019

Western Australia

Wyndham - Top End der East Kimberleys 

1 Autostunde nördlich von Kununurra ist das Ende der Welt. Nein, nicht wirklich, aber sehen kann man es vermutlich. Zumindest ist hier Ende für den Great Northern Highway. Wyndham hat ein paar hundert Einwohner, die sich hier am Mündungsgebiet von 5 großen Flüssen hauptsächlich dem Fischfang widmen.Das winzige Örtchen wurde 1886 gegründet, direkt an der Tidenbank des Cambridge Golf, am Fuße des Mount Bastion. 

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Am Gipfel des Hügels, hat man von 330m Seehöhe aus eine spektakuläre Aussicht und kann die Läufe des King, Pentecost, Durack, Forrest und Ord Rivers erahnen. 

Video wird nochhochgeladen:


Die East Kimberley´s in Western Australien

Wer hier vor Glück nicht schreit, ist selber schuld!

Eine schmale, geteerte Straße, gerade breit genug für ein Auto führt endlos bis in die Berge. Links und rechts gibt es rote Schotterpisten zum Ausweichen, falls sich mal 2 Autos begegnen. Eine hügelige Landschaft mit tropischem Grasland, locker verteilt säumen niedrige Büsche und Bäume den Savannah Way Drive. 

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Die Dame mit dem spitzen Kinn am Check Point zu Western Australien ist strikt. Sogar mein vorgeschnittenes Obst nimmt sie mir gnadenlos ab. Die Quarantänebestimmungen werden hier peinlichst genau vollstreckt. Mit einem Seufzer leere ich also die große Schale mit den frisch geputzten Mangos in die riesige Tonne. 

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Der Lake Argyle ist ein künstlich hervorgebrachter See, der durch ein staatlich initiiertes Bewässerungsprojekt in den 70er Jahren entstand. Ein Wasserreservoir, das 10 Milliarden m3 fasst, niemals leer wird und dessen atemberaubend schöner Anblick einen beinahe in die Knie zwingt. 

Der Infinity-Pool, den der Campground am Lake Argyle seinen Gästen bietet, setzt dem ganzen dann noch die Krone auf. 

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Wer hier vor Glück nicht schreit, ist selber schuld!

In Kununurra entstand das eigentliche Damm Projekt. Man wollte damals die Region wirtschaftlich etwas antreiben und baute 20 Schleusen, die das Wasser der Regenzeit (immense Massen fallen von Dezember bis März) auffangen und über ein Kanalsystem in die östlichen Ebenen ableiten sollten. Der Anbau von Baumwolle wurde von einer Raupe zerstört, der Versuch Zitrusfrüchte anzubauen fiel den hohen Lohn- und Transportkosten zum Opfer. Heute konzentriert sich die 8000 Seelenstadt am ORD-River auf den Tourismus und der weltweit größten Plantage von Sandelholz. Bild unten: Frühstück am Lake Kununurra. 

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Und noch was gibt es hier: Die Argyle Diamond Mine fördert ein Viertel der Weltjahresproduktion an Diamanten! Neben dem besonders wertvollen und seltenen rosa Diamanten, gibt es aber auch noch eine Sandsteinart mit Zebrastreifenmuster. Auch dieser Stein ist angeblich eine Rarität und soll weltweit nur am Lake Argyle vorkommen. Na dann: 

„Sandstones are the girls best friends..." - oder wie ging der Song nochmal?

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Vom Northern Territory nach West Australia

bis zum Lake Argyle: 

19. September 2019

11.000 km quer durch Down Under

und eine Frage, die Fragen aufwirft:

Ein Blick auf den Tachometer und ein weiterer auf unsere Aufzeichnungen bestätigt es: Wir sind mit unserem Jeep bisher tatsächlich schon 11.000 KM gefahren. Vom Südosten Tasmaniens über Melbourne, Sydney, Newcastle, Broken Hill, Port Augusta und den gesamten Stuart Highway (2728 km) hoch bis Darwin!

Gute Dienste haben sie uns bis jetzt geleistet: Unser Jeep und unser Penthouse der Marke Kings:

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Wir befinden uns jetzt kurz vor der Grenze zu Western Australia. Das ist somit der 7. Bundesstaat, den wir in Down Under bereisen. Mehr gibt es nicht. Was natürlich nicht heißen soll, dass wir damit schon alles gesehen haben. Wenn man mit dem Auto dieses Land von Süden nach Norden und vom Osten bis zum Westen - quer durch das Outback also - bereist, dann erst erkennt man die unglaubliche Weite und Größe dieses riesigen Kontinents.

Irgendwo in Südaustralien im Outback - nur Waschbrettpiste bis zum Horizont!

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Der Litchfield Nationalpark liegt südlich von Darwin und steht den Schönheiten des Kakadu NP bestimmt in nichts nach. Er ist nur wesentlich kleiner und überschaubarer. Bekannt und beliebt ist er gerade jetzt in der Trockenzeit für seine prächtigen Wasserfälle und erfrischenden Rock Holes. Seht uns planschen im folgenden Video: 

Der Katherine Gorge, der im  Nitmiluk NP liegt, befindet sich fast direkt auf unserer Route und ist einen Abstecher wert. Wieder hat es 35 Grad und ich will einen Blick auf die Schlucht von oben erhaschen. 

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Steile Stufen und eine Handreeling weisen den Weg nach oben, trotzdem ist es eine körperliche Qual, der ich mich da aussetze. 

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Aber jede Schweißperle wert!

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Wir finden einen ganz tollen Campground in Katherine, Hannes bruzelt uns ein gutes Kängurusteak, das kaum Fett, aber sehr viel Eisen hat und total lecker schmeckt. 

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2 kleine Jungs erkunden das Camp mit dem Fahrrad und schleifen vorm Jeep ein. Der in etwas 5 Jährige sieht mich prüfend an:“Are you a granny?“ 

„???“ Ich brauche 2 Sekunden, um zu antworten:“ No, not yet, but soon“. „Mhmh"- murmelt der Zwerg:“There are a lot of grannies here in this campground!“, sagt er weise und weg ist er. 

„Hannes, hast Du das gehört?“    

 „Nein!!!“ 

Dann 30 Sekunden später folgt ein Nachsatz von ihm:“Ich frage mich wirklich, was sieht der Knirps, das ich nicht sehe….???“ 

Abends knistert es - wir bekommen Besuch von einem Opossum.

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Nachts trampelt eine Stampede Kängurus am Zelt vorbei und in der Früh werden wir vom Geschrei der Vögel geweckt. Ich liege wach und grüble. Mich beschäftigt noch immer die im Raum stehende, unbeantwortete Frage meines Mannes……

16. September 2019

Destination Darwin & Sweetheart

- and it is „MY GUY“!

Wenn ihr auf die Landkarte Australiens schaut, dann gibt es ganz oben im Norden eine Großstadt eingezeichnet - das ist Darwin. Keine 150.000 Menschen leben hier in der Hauptstadt des Northern Territory, dem ehemaligen unbedeutenden Außenposten. Auf einer Vermessungsfahrt von der HMS Beagle entdeckt und nach Charles Darwin benannt, der ein paar Jahre vorher auf eben dieser Beagle die Galapagosinseln bereist hatte. 

Bild unten: Blick vom East Point, einem nördlichen Vorort der Stadt 

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Die Stadt ist eigentlich bald erkundet. Es gibt einen kleinen Stadtkern, ein paar sehr sehenswerte Museen, mit Hauptaugenmerk auf die (mehr oder weniger ) künstlerischen Begabungen der Ureinwohner, Pubs, Cafés, Parkanlagen und elendslange, weiße Sandstrände am Indischen Ozean. 

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Man bemüht sich hier besonders viel Unterhaltung für die Einwohner und die Touristen zu bieten. Bild unten: Fine Art Museum of Aborigines

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Dieses Wochenende wird das Streetfestival abgehalten. 18 Künstler des Landes bemalen die Trottoirs und ab 17 Uhr beginnt die Livemusik. Antonio kommt aus Sydney, seine Wurzeln hat er in England bzw. Italien, aber er liebt Down Under und er liebt es Krokodile zu malen. Er wird gut bezahlt für diesen Job hier, bei der alle Teilnehmer Gewinner sind, weil es ja keine Competition, sondern eben ein Festival ist. Nächstes Jahr wird er eine Dragon Fly / Libelle in dunklen lila/blau Tönen zu Boden bringen! Zu gerne wäre ich jetzt in seinem Kopf, um das Bild auch zu sehen.

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Wir quartieren uns im „Free Spirit“ Resort ein. Das ist ein riesiger Campground mit drei Swimmingpools, Restaurant, Bar und täglich ganz viel Unterhaltung. Die Andrews-Sisters bringen Stimmung in den Laden und beeindrucken mich mit ihren kräftigen Stimmen. Beim Song „my Guy“ kommen Linda, Jennie und Yvette ins Publikum und streiten sich um „my guy!“

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Hannes ist auch begeistert, aber eine schlaflose Nacht bereiten ihm eher die sehr üppigen Kurven der Damen.

Auch ich schlafe nicht gut in dieser Nacht. Wir parken nämlich unter einem Mangobaum, der voll beladen ist mit fast reifen Früchten. Sobald es dunkel wird kommen die riesigen Flughunde und stürzen sich auf diese Leckereien. Die Säugetiere sehen furchteinflößend aus, wenn wir sie mit der Taschenlampe anleuchten. Sie erreichen eine Länge von 40 cm und haben eine Flügelspannweite von 1,70m. Mit ihren fast 1,5 kg sind sie bald zu schwer für die Mangos und so stürzen die Früchte wie Geschosse aus 5-6 m Höhe auf den Boden oder eben auf das Dachzelt. Das kracht ordentlich kann ich Euch sagen!

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Wir besuchen dann auch noch das "Museum and Art Gallery of the Northern Territory", das eine Sonderausstellung bis 3. November laufen hat, die sich „The Telstra National Aboriginal and Torres Strait Islander Art Awards“ nennt. Die Auszeichnung/Ausstellung wurde 1984 gegründet und ist seitdem die prestigeträchtigste  und älteste Ausstellung, die es für Indigene Künstler in Australien gibt. 

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Wunderschöne Exponate bekommen wir hier zu sehen. 

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Titus Nganjmirra hat Queen Elizabeth mit synthetischer Polymerfarbe in Western Arnhem Rock Art Style auf Papier gebracht. Das Werk soll ihr Image und die Einflüsse der britischen Kolonialisierung des Landes auf die traditionelle Kunwinjku Lebensart wiederspiegeln. 

Neben einer naturhistorischen Ausstellung und einer großen Galerie, die die horrenden Auswirkungen des Zyklon Tracy 1974 auf die Stadt aufzeigt, gibt es noch Sweetheart. 

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Sweetheart war das Totemtier des Matngala-Weret Stammes und lebte im Finnis River. 1971 begann es Fischerboote anzugreifen und biss einigen die Propeller ab. Die Insassen der Boote wurden von Sweetheart weitgehend ignoriert. 1979 nahmen die Attacken deutlich zu und die Ranger beschlossen das Leistenkrokodil einzufangen und auf einer Krokodilfarm unterzubringen. 

Leider ging dann aber etwas daneben. Durch die Verabreichung eines Betäubungsmittels wurde der natürliche Mechanismus des Ertrinken außer Kraft gesetzt. Beim Versuch das 780 kg schwere und 5,10 m lange Tier umzusiedeln, ertrank das auf 50 Jahre alt geschätzte Salzwasserkrokodil.

11. September 2019

Mary River Nationalpark

1 für Mami, 1 für Papi und 1 für den Staat &

It is pretty simple, Charly!

Auf unserem Weg nach Darwin fahren wir entlang des Arnhem Highway und machen Stop im Mary River Nationalpark. Das kleine Resort ist bezaubernd und wir entschließen uns gleich 2 Tage zu bleiben. Bei 32 Grad spazieren wir um 10 Uhr morgens durch einen ziemlich ausgedorrten Bambuswald zu den Billabongs. 

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Wir werden gewarnt nicht zu nahe an die, zwar im Moment sehr kleinen, aber tückischen Wasserlöcher zu treten, denn auch hier gibt es aggressive Salzwasserkrokodile. Und prompt bekommen wir wieder 2 kleinere Exemplare zu sehen! Die Eltern sind offensichtlich im Mary River einige hundert Meter weit weg. Krokodile fressen nämlich auch ihre eigenen Artgenossen und daher, vermute ich jetzt mal, dürften sich die Erwachsenen nach der Eiablage in andere Gebiete vertschüßt haben. 

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Der Mary River führt viel Wasser und seine Ufer sind gesäumt von dichtem Buschwerk und Bäumen. 

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Plötzlich lebt ein ganze Baum und wildes Gekreische dringt auf uns nieder. Die nachtaktiven Langohrfledermäuse hängen zu hunderten im Geäst und alterieren sich furchtbar über uns ungebetenen Gäste, die da ihre Ruhephasen stören. 

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Wir schmeissen uns mit viel Lektüre an den hauseigenen Pool und genießen das Dolce Farniente. Eine ganze gute halbe Stunde lang!

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Dann ist es aus mit der Idylle und der trauten Zweisamkeit und eine Horde brüllender Kinder in Begleitung ihrer Eltern reitet wie ein Überfallkommando ein. Jetzt weiß ich auch, wie sich die Fledermäuse am Vormittag gefühlt haben müssen. 

Ich schaffe es gerade noch meinen Computer in Sicherheit zu bringen und schon schwappt die erste Fontäne über mich herein. Das Verbotsschild „no jumping"  kann der kleine Zwerg ja noch nicht lesen und die Mutter, die  sich unter der Last von Schwimmflügel und -nudeln, Handtüchern, Sonnencremen- und hüten, gerade auf den Liegestuhl plumpsen lässt, hat nur Augen für das Baby, das gerade gefährlich nahe am Poolrand krabbelt. Der Vater hält das andere Kleinkind im Arm und kümmert sich um Charly. Offensichtlich ist sie die älteste der 4 Kinder. Sie dürfte 7 sein. Seine Anweisungen sind kurz und prägnant: „It is  pretty simple Charly. You put your hat on and leave it there, or you are out of the pool“. Sie versteht auf Anhieb.

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Als sich alle eingelebt haben und die Sprösslinge vollständig gerüstet und versorgt sind, wird es auch richtig gemütlich. Die Männer werden von den liebevollen Frauen mit eiskaltem Bier versorgt (ja, natürlich habe ich das dann auch gemacht!!!) und diese übernehmen dann auch tatsächlich die Aufsicht ihres Nachwuchses im Pool, damit die Mamis einmal eine Pause haben.

Was mir dann noch aufgefallen ist. Von den drei anwesenden Familien, hat niemand weniger als 3 Kinder! Die Geburtenrate stieg offensichtlich enorm dank des Bonus, den der noch immer amtierende Schatzmeister Peter Costello (mit der längsten Dienstzeit in der Geschichte Australiens!) einführte. Umgerechnet 2400 Euro gab es ab Mitte 2004 steuerfrei (heute sind es 3000 Euro) für jedes Neugeborene! Mit Costello`s Vorgabe: 1 für Mama, 1 für Daddy und 1 für den Staat“ gab es im Jahr nach der Einführung des Babybonus gleich um 5.500 kleine Aussies mehr! BTW: Der "Treasurer of Australia" folgt seinen eigenen Vorgaben mustermäßig und ist selber Vater von drei Kindern. 

Dundee`s Backyard und Rock Art am Obiri

Unser letzter Ausflug im Kakadu Nationalpark führt uns nach Ubirr. Hier  befinden sich die imposanten Felsformationen am Rande der Nadab Floodplain an der Grenze zu Arnhemland. Früher campten hier traditionell die Aborigines. Sie fanden unter den riesigen Felsspalten Schutz vor der Sonne und der nahe East Alligator River versorgte sie mit Nahrung. Das weiche Gestein eignete sich perfekt für Felsmalereien und so befindet sich dort heute uralte und weltweit anerkannte Rock Art, deren Entstehung lt.  Wissenschaftler auf 20.000 Jahre vor unserer Zeit datiert wurden. Die jüngsten Gemälde stammen jedoch aus 1985. 

Wenn man auf den Obiri Rock klettert, hat man eine fabelhafte 360 Grad Rundumsicht über das Wetland und das Arnhemland, das heute wieder den Ureinwohner gehört. Es ist einfach „stunning“ hier oben und wer den ersten Teil von Crocodile Dundee kennt, der kann sich vielleicht noch erinnern, wo Dundee Sue seinen „Backyard“ zeigte. 

Hier tut es Hannes für Euch ;-)

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Ein kurzes Video von unserem letzten Ausflug im Kakadu Nationalpark: 

07. September 2019

East Alligator River und Cahills Crossing

Barramundi und Leistenkrokodile 

Der East Alligator River formt quasi die Grenze zwischen dem Kakadu Nationalpark und dem Arnhem Land, welches seit 1921 offiziell als Abiriginalland anerkannt wird. Hier gibt es ein eigenartiges Prozedere - selbst für die Australier, denn an dieser Grenze innerhalb Australiens muss man ein spezielles Permit haben, um das Land der Ureinwohner betreten zu dürfen. Das soll die Privatsphäre für die vielen Gemeinden in Arnhemland gewährleisten.

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Einige dieser Clans (Bunidj, Manilagarr, Murrwan und Mandjurlngunj) wohnen im Nationalpark, andere außerhalb. Die Aborigines verwalten ihr Land in Kakadu durch ein Board of Management, das aus 14 Mitgliedern besteht. 10 davon müssen Ureinwohner sein, die von den traditionellen Landeignern gewählt werden

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Bereits seit tausenden Jahren wird Cahills Crossing genutzt. Im 20. Jahrhundert kamen viele aus dem Arnhem Land und arbeiteten westlich der Grenze als Büffeljäger oder Holzfäller. Einen Rekord stellte in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts eine Gruppe Männer und Frauen auf, die mit ihren Kindern über 500 Kilometer nach Darwin wanderten - und zwar in weniger als 2 Wochen! 

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Auch hier an der Cahills Crossing lauern die gefährlichen Leistenkrokodile. Der Fluss wurde 1818 erstmals von einem weißen Engländer (Philip Parker King) auf einer Expeditionsfahrt entdeckt und er benannte den Fuss, nach den vielen Krokodilen, die er hier im Schlamm liegen sah und für Alligatoren hielt. Die Salzwasserkrokodile sind jedoch wesentlich aggressiver und ein erwachsenes Tier kann bis zu 7 m lang werden und 3 Stunden unter Wasser verbringen, ohne auch nur mit der „Wimper“ zu zucken. 

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Die Tiden hier betragen bis zu 8 m und wenn die Tide kippt, dann entstehen hier gefährliche Wellen und extrem starke Strömungen. Mit der Flut kommen auch die vielen Fische und die Leistenkrokodile warten bei Hochwasser am gedeckten Tisch. Hunderte sind angeblich hier - wir haben ein Dutzend gezählt. Krokodile - nicht Fische! 

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Und dann sind sie natürlich auch hier: die Barramundi Fischer, die den leckeren Raubfisch (aus der Familie der Riesenbarsche) hier fangen wollen. Eine Besonderheit dieses Fisches: sie sind euryhalin, dh sie können sowohl im Salzwasser als auch im Süsswasser leben und außerdem sind sie teilweise hermaphroditisch. Da wesentlich mehr Männchen als Weibchen geboren werden, entwickeln sich die Männchen nach dem Laichen zu Weibchen. Ob das der Grund ist, warum sie so ausgezeichnete Speisefische sind, das weiß ich nicht, dass sie aber hervorragend schmecken, haben wir bereits getestet. 

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Die Ranger erzählen uns von den vielen Unfällen, die beim Fischen passieren und wo die Fischer immer den Kürzeren ziehen. Die Salties sind nicht zu unterschätzen. Geduldig warten sie im Schlamm oder Wasser, unsichtbar für die Umwelt, um dann im richtigen Moment blitzschnell zuzupacken. Der Mensch zählt zwar nicht zu seinem Beuteschema, aber gekilled wird alles, was in ihr Territorium eindringt. Ein Sicherheitsabstand  von 5 m zu allen Flußrändern und Billabongs (Wasserlöchern) ist ein absolutes Muss und sollte keinesfalls unterschritten werden. 

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Wie echte Büffelkacke aussieht - und vor allem wieviel so ein Tier auf einmal von sich gibt seht ihr in diesem Video :

04. September 2019

Kakadu Nationalpark - Infinity Pool vom Feinsten

Wir sind in einem der schönsten Nationalparks Australiens. Zum Einstimmen zeigen wir Euch gleich einmal unsere Wanderung zum Gunlom Waterfall. Der Aufstieg über angenehm angelegte Treppen ist leider noch nicht fertig und so müssen wir mühsam über die steilen und spitzen Felsbrocken den Aufstieg in Angriff nehmen. Es hat sich aber mehr als gelohnt: Seht selbst in unserem Video! 

03. September 2019

Bitter Springs : be crocwise &

beeing damned happy ….

Weiter geht es in Richtung Norden. Die Landschaft verändert sich. Termitenhügel, niedriges Buschland und die ersten Bäume säumen den Rand des Stuart Highway. 

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Die besten Tipps bekommt man immer von den Einheimischen. Entweder beim eiskalten Bier oder beim Gang zur Toilette. Um 7 Uhr morgens beim Zähneputzen fragt mich die kleine, etwas korpulente Aussie-Lady: Where are you heading today? Auf mein kurzes „North“ - folgt ein mehrere Minuten anhaltender Monolog von den Schönheiten im Elsey Nationalpark. Wanderwege, Krokodile, Schwimmen in den warmen Quellen….and make sure you go to Bitter Springs, it is not as busy as Mataranka!

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Und tatsächlich - der Tip ist Gold wert! Der Campground in Bitter Springs ist wirklich Weltklasse.

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An der Rezeption frage ich nach Krokodilen und anderen Reptilien. Uns wird ein Foto von einer gelben Schlange mit schwarzem Kopf gezeigt. Das ist eine Darwin Carpet Python, die hier bei den Logs um die Campkitchen lebt. "Aber das ist nur eine Würgeschlange, die ist nicht giftig und die Krokodile, das sind Süsswassercrocs, die haben mehr Angst vor Euch. Don`t worry. Die aggressiven Salties kommen erst während der Regenzeit….."

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Anbei ein kleines Video von unserem Aufenthalt in den Bitter Springs. 

In der Campkitchen lernen wir ein paar Leute kennen. Die eine Gruppe kommt aus Queensland und sie werden 10 Tage lang in den Kathrine Gorge wandern gehen. Essen und Zelte müssen in die Schlucht mitgeschleppt werden. Aber heute kommen eh die Kinder eingeflogen. Die sind noch jung und stark und werden mithelfen. Die Lager zum nächtigen sind fixiert, da gibt es dann Toiletten, Wasser und eine Feuerstelle. Mehr nicht - aber das ist ja das Schöne dran - Urlaub mit der Familie!

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Beim Abendessen kommen wir noch mit Nigel näher ins Gespräch. Der 63 jährige Kiwi lebt seit ein paar Jahrzehnten in Coffs Harbour an der Ostküste NSW. Vor 9 Jahren war ihm klar, dass es so nicht weiter gehen kann. Die Luft in seiner Ehe war draussen und er sagte eines Tages zu seiner Frau: „ I am out of here“ And off he was. Mit dem Fahrrad kurvte er anschließend um den halben Erdball. Den Mississippi runter, Ägypten am Nil, Südostasien, Polen und Rumänien haben es ihm besonders angetan und auch die Türkei hat er in besonders guter Erinnerung. 

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86.000 Kilometer strampelte der flotte Neuseeländer mit dem Bushbike bereits durch die Weltgeschichte. Jetzt ist seine rechte Hüfte kaputt und er fährt mit dem Motorrad und wartet auf kommenden Mai. Für die Operation  hat er eine Krankenversicherung abgeschlossen, die ihm 2000 AUS pro Jahr kostet. Nach einem Jahr  (im Mai 2020) übernimmt die Versicherung dann die horrenden Kosten von 18.000 AUS, wie er uns erzählt. Eigentlich sind die Knie auch kaputt, aber die müssen warten und inzwischen denkt er sich diese Schmerzen halt einfach weg. Nigel ist cool und hat Humor. Er und seine Lebenseinstellung gefällt uns beiden. If I would win a Million Dollar now, I would not change a thing! 

Since 9 years I have been doing only what I want - and I am damned happy the way I am doing it!

31. August 2019 

Krank sein bitte nur zu Hause!

Aufregende Tage in Alice Springs 

Wir verbringen 5 Tage in Alice Springs. Ursprünglich waren 2 Tage geplant, um hier ein Paket abholen zu können. Die australische Post ist im Inland aber mehr als lax, davon können auch unsere neuen Schweizer Freunde, die wir hier am Campground kennengelernt haben, ein Lied singen. Tanja und Jürg sind seit Anfang des Jahres mit ihrer Pepita, einem Bucher DURO unterwegs. 

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Hannes bekommt wieder Probleme mit seinem Bein. Ein Besuch beim Arzt beschert ihm, aufgrund seiner Symptome, die sofortige Einweisungen in das Spital. Dringender Verdacht auf Thrombose! Nach der Ultraschalluntersuchung will man Hannes sofort in die Notaufnahme verfrachten. Uns kommt das eigenartig vor, da eine Thrombose recht schnell ausgeschlossen werden konnte. Hannes erwähnt, dass er keine Auslandskrankenversicherung habe. Die Dame fragt nach: „Sind Sie ganz sicher, dass Sie keine Auslandskrankenversicherung haben?“ Auf Hannes nachdrückliche und bestimmte Verneinung, meinte sie dann, dass es doch vielleicht angebrachter wäre, den einweisenden Arzt nochmals zu konsultieren. (Arztbesuch 80 AUS, Ultraschall 370 AUS bis dato…)

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Nachdem wir 3 Tage auf die Auswertungen der bildgebenden Untersuchung aus Adelaide gewartet hatten (man versprach sie uns für denselben Tag!) und man uns in der Praxis immer auf den Abend vertröstete, urgierte ich leicht verärgert per Email. Dann ging es auf einmal schnell. Der Herr Doktor persönlich rief an und schickte auch prompt den Befund.  

Zum Glück bewahrheitete sich seine Vermutung nicht und es ist „nur“ eine Baker-Zyste, die aufgrund der Entzündungen im Knie (hervorgerufen durch den Barmah Forest Virus, unter dem Hannes noch immer leidet) Probleme verursacht. Man müsse nicht wirklich dringend etwas unternehmen. Es reiche, wenn Hannes in 3 Monaten eine Kontrolluntersuchung vornehmen würde. Wir sind erleichtert, obwohl die Sache auch nicht gerade lustig ist. 

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Wir lernen durch unseren verlängerten Aufenthalt dann noch die beiden sehr netten Weltenbummler Rashida und Günther kennen. Seit 3 Jahren bereisen die beiden Wahl-Schweizer mit ihrem Toyota die Welt. Sie waren schon im Iran, in den ehemaligen Staaten der UDSSR in China auf der Seidenstraße, in Südostasien inklusive  Indonesien usw. und füllen unsere gemeinsame Zeit mit abenteuerlichen und spannenden Geschichten.

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Alice Springs liegt zw. Adelaide und Darwin. In beide Richtungen beträgt die Entfernung 1500 km! Früher zogen hier Kamelkarawanen durch, um die Stadt im Outback zu versorgen. Heute tun das die riesigen Road Trains und die Zentralaustralische Eisenbahn.

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Das Stadtzentrum hat ein paar nette Lokale, Kunstgalerien, Museen und eine florierende Fußgängerzone zu bieten. Sehr interessant fanden wir das Reptilienzentrum, wo wir auch Wissenswertes  über Leistenkrokodile und die hochgiftigen Schlangen des Kontinenten erfahren konnten. 

Terry, das 27 Jahre alte äußerst aggressive Salzwasserkrokodil :

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Wanderung in der Emily Schlucht: 

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Ein paar Eindrücke von unserem Aufenthalt in Alice Springs und unserer Fahrt in Richtung Norden haben wir in folgendes YouTube Video verpackt: Viel Vergnügen!

27. August 2019

Watarrka Nationalpark und „the unsealed road“ to Alice Springs

„Ihr müsst Euch unbedingt den Kings Canyon ansehen…“ - die nächsten Aussies, die uns darauf aufmerksam machen, dass wir den Watarrka NP mit seinem Canyon auf keinen Fall auslassen dürfen, wenn wir schon „in der Gegend“ seien. In der Gegend heißt in diesem Fall, dass wir vom Lasseter Highway auf die Luritja Road abbiegen und rund 150 km den Red Centre Way in Richtung Norden fahren werden. 

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4 Stunden Autofahrt und dann leuchten uns die blanken roten Felswände des Canyon in der Nachmittagssonne von weitem entgegen. Ja, das ist schon sehr schön hier. 

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Der Park ist Heimat der Luritja und wir entschließen uns einen schönen Spaziergang durch den Talboden zu machen. Der Aufstieg zum Canyonrand scheint uns heute zu anspruchsvoll. Von der vielseitigen Fauna, die es hier geben soll, sehen wir nur ein paar Papageien, Ameisen und einige sehr lästige Fliegen. 

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Im Schatten der Bäume weht ein angenehmes Lüftchen und wir haben für kurze Zeit gar nicht das Gefühl in einer Wüste zu sein. 

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Am nächsten Tag bläst der Wind, so dass manche Mühe habe, ihre Zelte am Campground am Boden zu behalten - an einen Aufstieg zum Canyon ist gar nicht zu denken….

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So - und nun stehen wir vor der Frage, welchen Weg nehmen wir nach Alice Springs? Dieselbe asphaltierte Straße zurück, die wir gekommen sind - oder den nicht versiegelten Meerenge Loop, der nur mit Allradantrieb möglich ist? 

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Wozu haben wir einen Allrad? Damit wir eben solche Straßen im Outback auch befahren können - genau!

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Von den 302 km waren es schlußendlich „nur“ 130 km, die wirklich eine Herausforderung für unseren Jeep waren, die er in Zusammenarbeit mit dem  Fahrer aber souverän gemeistert hat. Auf der gesamten Strecke sind uns vielleicht ein halbes Dutzend Fahrzeuge begegnet, was ich noch als viel empfunden habe. 

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Wir sehen ein paar Wildpferde und leider auch ein paar tote Fohlen. Ob sie durch eine Giftschlange getötet, verdurstet oder von einem Auto angefahren wurden, das kann ich nicht beantworten. 

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Auch wilde, neugierige Esel sehen wir im Gebüsch stehen. 

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Zum Glück hat es seit Wochen oder Monaten nicht geregnet. Nicht auszudenken, wie wir hier im Lehm und Dreck stecken würden.

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Die kleine Aborigines-Gemeinde Hermannsburg liegt noch 120 km westlich von Alice Springs in den MacDonnel Ranges. Hier wollen wir unser Nachtlager aufschlagen. Die 7 stündige, holprige Fahrt war doch sehr anstrengend. 

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Wir befinden uns wieder auf einer asphaltierten Strasse, dem Larapinta Drive. 

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Die Missionsstation wurde von einer lutherischen Kirche 1877 aufgebaut. Heute leben hier keine 700 Menschen. Wir finden es gar nicht einladend in Hermannsburg. 

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Die Verbotsschilder am Eingang zum Aborigines Dorf und der viele Müll und Dreck, der das eingezäunte indigene Dorf einschließt haben wirklich nichts Anziehendes. Einzig die Missionsstation wäre sehenswert - aber davon haben wir schon Dutzende auf unseren Reisen besichtigt und so entschließen wir uns weiter bis nach Alice Springs zu fahren. 

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In Alice Springs bekommt unser zuverlässiger Jeep wieder gutes Futter 

und dann gleich 2 Mal eine ordentliches Wäsche! 

(Am Bild sieht man, dass der Sand sich in jeder Ritze des Autos befand!)

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27. August 2019

Uluru - der Heilige Berg und die vielen Köpfe der Anangu 

Inzwischen sind wir im Northern Territory, einem äußerst dünn besiedelten Bundesstaat Australiens, angelangt. Die Gesamtfläche des NT beträgt ungefähr die 4-fache Fläche Deutschlands, damit ihr euch etwas vorstellen könnt. Wir befinden uns im Landesinneren und es herrscht arides Wüstenklima. Die Luftfeuchtigkeit beträgt 9% und es ist sehr windig. Die Tagestemperaturen klettern zwar auf 25 Grad Celsius, nachts haben wir aber noch immer um die Null Grad. 

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Vom Stuart Highway biegen wir links in den Lasseter Highway ab. Letzterer ist eine ca. 300 km lange, durchgehend asphaltierte Strasse, die in Ost-Westrichtung verläuft und direkt in den Uluru-Kata Tjuta Nationalpark führt. 

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Der Uluru oder Ayers Rock, wie er im Englischen heißt, ist wohl das bekannteste Wahrzeichen Australiens. Er gilt als Heiliger Berg der Aborigines und hat aus spirituellen Gründen große Bedeutung für die Ureinwohner. 

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Gerade erst haben die Naturvölker das Gesetz durchgebracht, dass er ab Oktober 2019 nicht mehr bestiegen werden darf. Muss ja auch nicht sein, finde ich - es gibt so viele Berge, die man besteigen kann. Wieso muss man dann ausgerechnet diesen Berg raufkraxelnd?

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Von der Ferne wirkte der große, eigentlich graue Sandstein, der seine rote Farbe durch den hohen Eisenanteil hat, die sich durch die Verwitterung eben braun und rot verfärbte, gar nicht so besonders auf uns. 

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Erst als wir ihn umrunden und von allen Seiten und auch von der Nähe betrachten können, fallen uns die Unregelmäßigkeiten seiner Oberfläche auf, die wiederum in der Mythologie der Aborigines die Begebenheiten aus der Traumzeit erzählen. Und dann plötzlich spüren auch wir den Zauber und die Magie, die von diesem gewaltigen Berg, der da inmitten des „Red Centre“ positioniert ist, ausgeht. 

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Vor allem bei Sonnenunter- oder Sonnenaufgang wird der Ayers Rock, je nach Einfallswinkel und Intensität des Lichts und Grad der Bewölkung in die unterschiedlichsten und intensivsten Farbnuancen getaucht. Ein Spektakel, das sich täglich hunderte Mensch ansehen. Auch wir haben 2 Stunden vor Sonnenuntergang unseren Posten bezogen, um einen besonders guten Ausblick auf den Uluru zu haben. 

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Im Park gibt es auch ein Kulturzentrum, das von den Anangu, einem Stamm der Aborigines, das seit mehr als 10.000 Jahren im Gebiet des Berges lebt, betrieben wird. Die Legende des Berges wird hier ebenso erklärt, wie die gesellschaftlichen Regeln ihres Stammes. Außerdem werden Kunstwerke ausgestellt und zum Verkauf angeboten. 

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Zum Uluru-Kata Tjuta Nationalpark gehören auch die Olgas. Die Kata (Kopf) Tjuta (viele), wie sie von den Einheimischen genannt werden, sind eine Gruppe von 36 Bergen und sehen tatsächlich aus, wie viele Köpfe. 

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Sie befinden sich rund 30 km entfernt vom Uluru und gehören ebenfalls den Anangu, die diesen Ort für Rituale nutzen. 

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Den Touristen ist der Zugang zu den Olgas daher nur teilweise gewährt. 

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Bild oben: die Olgas

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Bild unten: der Uluru - im Morgenlicht vom Lasseter Highway aus fotografiert

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22. August 2019

Stuart Highway, Coober Pedy und die Dugouts

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In Port Augusta Südaustralien beginnt eine der wichtigsten Fernverkehrsstrassen des Kontinents. Über den Stuart Highway erreicht man Alice Springs im Red Centre und Darwin, die Hauptstadt des Northern Territory. 

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2700 km führt der asphaltierte Highway quer durch Down Under. In regelmäßigen Abständen gibt es Rastplätze, meistens mit sauberen Toiletten, Süßwasser und Picknickmöglichkeiten. Unser erster Stop bei einem Roadhouse in Glendambo beschert uns einen atemberaubenden Sonnenuntergang. 

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Tags darauf legen wir die 250 km nach Coober Pedy zurück. Die Überlandstrasse ist gesäumt mit toten Kängurus. Dutzende Gabelschwanzadler, Raben und andere Vögel finden hier einen gedeckten Tisch. 

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Coober Pedy ist schon von weitem durch seine Maulwurfhügel erkennbar, die vom Opal-Abbau stammen. Der Name der Ortschaft stammt noch vom Aborigines-Begriff  „kupa piti“ was soviel wie „das Loch des weißen Mannes“ bedeutet.

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In der Opal-Hauptstadt der Welt, wie die Einwohner ihre Ortschaft gerne nennen, wohnen die meisten Menschen in unterirdischen Wohnhöhlen, sogenannten dugouts. Ursprünglich wurde noch mit der Hand gegraben, heute machen das Tunnelmaschinen binnen kürzester Zeit. Auch einige unterirdische Kirchen gibt es in Coober Pedy. Ein großer Vorteil sind die gleichbleibenden Temperaturen, die im Sommer wie im Winter immer zwischen 20 und 25 Grad Celsius betragen - obwohl man es im Sommer fast täglich mit einer Außentemperatur von 40 Grad C. und mehr zu tun hat. 

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Eine äußerst interessante Tour buchen wir in Faye`s House. Wir sind die einzigen Teilnehmer und so nimmt sich Mandy besonders viel Zeit für uns, als sie uns durch das wunderschöne Heim einer äußerst mutigen Dame führt. Faye war 29 Jahre, als sie 1961 als Köchin alleine mit ihrem Auto hier ankam. In relativ kurzer Zeit hatte sie sich etabliert. Aufgrund ihrer hervorragenden Koch-Qualitäten baute ihr die Community ihr eigenes Kaffeehaus. Leider, oder zu ihrem Glück, machte ein extrem starker Tornado ihre Einnahmequelle nach wenigen Jahren dem Erdboden gleich. Sie versuchte ihr Glück in den Minen und wurde fündig. Mit ihrem ersten großen Schatz konnte sie sich 1971 ihr erstes kleines Dugout kaufen, das sie in den folgenden Jahren erweiterte und zu einem wahren Schmuckkästchen gestaltete.

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Sehr geschmackvoll eingerichtet, wenn man bedenkt, dass die Einrichtung aus den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts stammt. 

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Faye lebte nicht allzu lange alleine. 2 weitere abenteuerlustige Damen fanden sich in Coober Pedy ein und die 3 jungen Frauen schafften sich nicht nur ein ordentliches Vermögen an, sondern auch den Respekt in der dominierenden Männerwelt des Minings. Damals gab es eine strikte Wasserrationierung pro Haushalt, die kaum ausreichte, um Körperpflege zu betreiben. Nachdem Faye es zu einem beachtlichen Vermögen gebracht hatte, erfüllte sie sich einen sehnlichen Wunsch: Einen Pool! Das extrem wertvolle Wasser für das Basin musste aus Port Augusta hergeschafft werden. Man kann sich vorstellen, was das damals gekostet haben muss!

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Faye war sehr sozial und so durften auch die Einheimischen hier baden. Sie verlangte keinen Eintritt, wohl aber bat sie um eine Spende für die „flying doctors“, die hier oft als Lebensretter fungieren mussten. 

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Wir besuchen auch eine alte, aufgelassene Opalmine im Ort. Heute darf nur noch außerhalb der Ortschaft nach diesen Edelsteinen gesucht werden. 

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Wir erfahren hier unter welch widrigsten Bedingungen die Menschen seit Beginn des 20. Jahrhunderts oft Jahrzehnte ihres Lebens damit verbrachten, in der Hoffnung zu Reichtum zu gelangen. 2/3 des weltweiten Vorkommen der weißen Opale stammt übrigens aus der Gegend.

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So kletterten die Bergleute täglich in und aus dem Schacht. 

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Manche gruben sich selber eine Mine, die dann gleichzeitig auch als ihre Wohnstätte diente. 

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Uns fällt sofort auf, dass sich hier fast alles in griechischer Hand befindet. An der Tankstelle sitzen am Nachmittag immer ein halbes Dutzend Hellenen beim Kaffedaki und palavern in ihrer Landessprache. 

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Der einäugige Opalhändler, ein richtiges Schlitzohr, stammt aus Athen und will mir einen Edelstein verkaufen, den ich um ein 10faches in Österreich weiterverkaufen könnte. (Meine Recherche vor dem Kauf ergab, dass das Medaillon nur etwa 1/3 des Kaufpreises wert war ;-)) Unser Campgroundbesitzer, ein Ponti aus Thessaloniki, der auch eine fabelhafte Pizzaria führt, erzählt uns, dass er vor 35 Jahren hierher zog. "Damals lebten noch über 2000 Griechen hier, heute sind es keine 120 mehr,“ sinniert er weiter.  

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Die Deutschen und Italiener sind ebenfalls abgewandert, weiße Australier gibt es hier wenige. Dafür haben wir hier erstmals näheren Kontakt zur indigenen Bevölkerung. Vormittags sieht man sie kaum, aber am späten Nachmittag wimmelt die Ortschaft von den Natureinwohnern. 

Gehört haben wir sie dann dafür lautstark bis um 6 Uhr früh! 

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16. August 2019

Im Outback von New South Wales 

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Gerade rechtzeitig zur Happy Hour erreichen wir den originellen Campground von Warrawong. Er liegt etwas außerhalb der winzigen Ortschaft Willcannio, die einen sehr berüchtigten Ruf hat, wie wir später erfahren werden. Die indigene Bevölkerung ist bekannt dafür, dass sie bei Alkoholkonsum äußerst aggressiv sein kann und mangels Drogen schnüffelt die Jugend gerne am Treibstoff.

Eine kleine Runde versammelt sich am Lagerfeuer und jeder erzählt Stories von seinem Leben. Die Rezeptionistin ist neu hier. Sie stammt aus Western Australia und wartet mit den gruseligsten Geschichten von extrem gefährlichen Leistenkrokodilen auf. Nebenbei kredenzt sie Käse und Crackers, die der Besitzer täglich zum Sundowner bereit stellt. Die Getränke bringen die Gäste selber mit. Eine Gruppe junger Männer bratet Lamm am Spieß. Es duftet herrlich, aber wir  entschließen uns, das Dinner heute ausfallen zu lassen, denn die Campkitchen ist offen und extrem primitiv ausgestattet. 

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In der Nacht sinken die Temperaturen auf -2 Grad Celsius. Um 4 Uhr morgens werde ich munter. Ich lausche angespannt in die Stille der dunklen Nacht. Ein Schauer läuft mir über den Rücken, als ich das gespenstische Heulen einiger Wildhunde vernehme. Meine Zehen sind, obwohl ich 2 paar Socken anhabe, eiskalt. Ebenso fühlt sich die Wärmflasche an, die ich zwischen meine Knie gepresst habe. Dennoch verwerfe ich den Gedanken, mir frisches heißes Wasser zu holen, als die Dingos sich wieder melden.

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Am nächsten Tag erreichen wir Broken Hill. Wie eine Insel liegt die Stadt im Outback. Die Straßennamen deuten schon darauf hin, wie es diese Stadt und einige Bürger zu immensem Reichtum brachten. 

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Ende des 19. Jahrhunderts wurde hier die Line of Lode entdeckt. Eine Ader mit silber- zink- und bleihaltigem Erz mit 7,5 km Länge und 250 m Breite. Das weltweit größte Einzelvorkommen dieser Art. Die Erträge aus den Minen der Stadt werden bis heute auf mehr als 100 Mrd. Dollar geschätzt. 

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Wir besichtigen das Broken Earth Complex und Mineral Memorial, das weit sichtbar auf einem Hügel der Stadt liegt. Es ist den 810 Bergleuten gewidmet, die in den Minen ihr Leben lassen mussten. Der jüngste Mann, dessen Name an der Wand eingraviert ist, war gerade mal 12 Jahre. 

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Dann gibt es noch einen Skulpturenhügel, nicht unweit vom Zentrum. Auf dem 180 ha großem Naturreservat hat man von internationalen Künstlern 12 Sandsteingebilde anfertigen lassen. Wieder findet man sich auf einer Anhöhe und hat dort wirklich eine atemberaubende Aussicht über die Weiten des Outback. 

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Keine 25 km von Broken Hill befindet sich die Geisterstadt Silverton. 

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Einst war es eine muntere Bergabaustadt, aber diese Zeiten sind längst vorbei. 

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Dafür kann Silverton nun damit prahlen, dass Szenen für über 140 Filme und Werbespots hier gedreht wurden. 

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Der berühmteste ist wohl Mad Max II, mit dem Mel Gibson internationale Berühmtheit erlangte. 

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Das Pub im Hotel ist legendär und absolut sehenswert. Dass Essen gut und das Bier vom Fass eiskalt. 

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Von den 5 Esel, die hier lebten gibt es nur noch 2. Sie sind extrem zutraulich und gehören heute ebenso zur beliebten Touristenattraktion.

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Dann gibt es noch eine Kunstgalerie, die allerlei Kurioses zu bieten hat. 

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Kunst ist Ansichtssache, sag ich immer. Aber man ist zumindest bemüht den Leuten irgendwas für ihr Geld hier zu bieten. 

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Von hier aus kann man Kameltouren oder Motorradtouren in die absolute Wildnis unternehmen. Biker kommen hier voll auf ihre Kosten. 

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Es ist unglaublich, aber wir waren 2 Mal hier in Silverton und es ist immer was los!

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11. August 2019

Ein Gold Class Ticket zum Geburtstag 

und der heftigste Wintersturm der Saison

Am vergangenen Dienstag waren wir nach fast 3 Monaten endlich wieder in Down Under! Ich nehme einen tiefen Brustzug dieser frischen, kalten Luft am  Airport in Kingsford und bekomme sofort einen Hustenanfall. Der ganze Dreck aus Siem Reap, Phnom Penh und Bangkok scheint sich auf einmal aus meinen Lungen lösen zu wollen! Dabei ist Sydney auch eine pulsierende Millionenstadt, aber mit ihren weitläufigen Naturparks eben auch eine extrem grüne Stadt.  

Die Einreise ist denkbar einfach und unkompliziert. Unser Gepäck wird gar nicht erst kontrolliert. Unser erster Weg führt uns mit einem mulmigen Gefühl zum Parkaus, doch unser Jeep steht da, wie wir ihn verlassen haben. Nachdem Hannes die Batterien angeschlossen hat, springt er auch anstandslos an und wir fahren in einen nahe gelegenen Park an der Botany Bay, wo wir unser Penthouse aufstellen und uns erst einmal ein paar Stunden ausschlafen. Wie praktisch ist es doch, mit seinem eigenen Heim am Autodach zu reisen ;-)

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Hannes feiert seinen 57. Geburtstag dieses Jahr in Sydney. Wieder eine geniale Destination und unvergesslich. Er wünscht sich den neuen Film Lion King im Kino anzusehen. Von unserem Campground sind es nur 20 Gehminuten bis zur Mail, wo es im 4. Stockwerk ein Eventkino gibt. Wir buchen Karten für die Gold Class Vorstellung, die meines Erachtens ziemlich teuer ausfallen. Dafür gibt es kulinarische Betreuung während des Filmes, meint der junge Mann am Ticketschalter. Dass es dort neben Speisen- und Getränkeservice auch riesige Ledersessel mit verstellbaren Rücken- und Fußteilen gibt, das hat er mir vorenthalten! So macht Kino auch für über 50jährige mit Barmah Forest Virus und Bandscheibenvorfällen Spaß ;-) 

Der Film ist btw extrem gut gemacht - Prädikat: „sehr sehenswert“!

Nachdem wr unsere Post aus Österreich am Parcel Locker (Übers internet meldet man sich bei der Australischen Post an und kann ganz simple seine Post entweder in einem Postfach oder direkt bei der Post abholen / gratis Service der australischen Post für Touristen!) abgeholten, waren wir bereit für unser Abenteuer: Einmal um und durch Down Under!

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Ursprünglich hatten wir geplant uns Canberra noch einmal genauer anzusehen. Jetzt hören wir in den Nachrichten, dass der heftigste Wintersturm der Saison durch Südaustralien und New South Wales ziehen soll! Schnee bis auf 500 Meter und Temperaturen um den Gefrierpunkt soll es geben. Planänderung - ab geht es der Küste entlang nach Norden! 

Unsere erste Station ist in der Nähe von Pittwater. 

Gleich neben den Narrabeen Heads quartieren wir uns ein. Wir kochen uns noch eine Kleinigkeit in der Gemeinschaftsküche und machen noch einen Abendspaziergang auf die Anhöhen, um einen gigantischen Blick auf die Küste zu erhaschen. 

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Die Nacht im Dachzelt ist kalt, aber mit heißen Wärmeflaschen in unseren Schlafsäcken überhaupt kein Problem. In der Früh beim Aufwachen haben wir beide rote Backen, eiskalte Nasen und Ohren - und nein, die sind nicht von den warmen Sonnenstrahlen, die uns durch unsere „Fenster“ wachkitzeln. 

Newcastle ist auch sehr schön! 

Hier gibt es den größten Exporthafen des gesamten Commonwealth. Im 18 Jhdt als Straf- und Arbeitslager gegründet, wandelte sich die Stadt mit dem einkehrenden Tourismus in eine hübsche Kleinstadt mit wunderschönen Promenaden, Cafés etc. 

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An der Küste kann man einige Kilometer an einem weißen Sandstrand entlang schlendern (es gibt auch einen asphaltierten Gehweg) und gelangt bis zu den Merewether Bädern. Auch in Newcastle gibt es solch eine Freiluftbadeanstalt, gegründet 1922! Heute sind diese Anlagen menschenleer. Kein Wunder - haben wir doch 35 Knoten Wind und keine 15 Grad Celsius, gefühlt die Hälfte!

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Von Newcastle aus drehen wir nach Westen ab und nehmen den Golden Highway, der uns über die Great Dividing Range führt. Die Eastern Highlands, wie sie auch genannt werden, sind eine verhältnismäßig junge Bergkette, die sich entlang der Küste bis nach Tasmanien zieht. Hier gibt es sowohl die höchsten Gipfel des Landes, als auch große Hochebenen. 

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Kürbisse wachsen neben den Eisenbahngleisen, die Samen wurden wohl vom Winde verweht. Wilde Kängurus, Schafe und Ziegen sehen wir links und rechts in der steppenartigen Gegend grasen. Dutzende, möglicherweise hunderte Tierkadaver säumen die Strassenränder. 

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Es hat 3 Grad Celsius und während wir an einer Raststation ein kurzes Nickerchen einlegen, wettert draußen ein heftiger, aber kurzer Hagelschauer auf unseren Jeep nieder. Heute gönnen wir uns ein sauberes, warmes Hotel - keine Diskussion! Hannes spricht ein Machtwort und ich füge mich - gerne ;-)

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Und jetzt, nach einer dringenden Kaffeepause, sind wir gerade auf dem Mitchel Highway von Cobar nach Broken Hill unterwegs. Ab morgen soll das Wetter besser werden. Hoffentlich…

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