Reise 2019 Australien


New South Wales

22. August 2019

Stuart Highway, Coober Pedy und die Dugouts

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In Port Augusta Südaustralien beginnt eine der wichtigsten Fernverkehrsstrassen des Kontinents. Über den Stuart Highway erreicht man Alice Springs im Red Centre und Darwin, die Hauptstadt des Northern Territory. 

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2700 km führt der asphaltierte Highway quer durch Down Under. In regelmäßigen Abständen gibt es Rastplätze, meistens mit sauberen Toiletten, Süßwasser und Picknickmöglichkeiten. Unser erster Stop bei einem Roadhouse in Glendambo beschert uns einen atemberaubenden Sonnenuntergang. 

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Tags darauf legen wir die 250 km nach Coober Pedy zurück. Die Überlandstrasse ist gesäumt mit toten Kängurus. Dutzende Gabelschwanzadler, Raben und andere Vögel finden hier einen gedeckten Tisch. 

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Coober Pedy ist schon von weitem durch seine Maulwurfhügel erkennbar, die vom Opal-Abbau stammen. Der Name der Ortschaft stammt noch vom Aborigines-Begriff  „kupa piti“ was soviel wie „das Loch des weißen Mannes“ bedeutet.

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In der Opal-Hauptstadt der Welt, wie die Einwohner ihre Ortschaft gerne nennen, wohnen die meisten Menschen in unterirdischen Wohnhöhlen, sogenannten dugouts. Ursprünglich wurde noch mit der Hand gegraben, heute machen das Tunnelmaschinen binnen kürzester Zeit. Auch einige unterirdische Kirchen gibt es in Coober Pedy. Ein großer Vorteil sind die gleichbleibenden Temperaturen, die im Sommer wie im Winter immer zwischen 20 und 25 Grad Celsius betragen - obwohl man es im Sommer fast täglich mit einer Außentemperatur von 40 Grad C. und mehr zu tun hat. 

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Eine äußerst interessante Tour buchen wir in Faye`s House. Wir sind die einzigen Teilnehmer und so nimmt sich Mandy besonders viel Zeit für uns, als sie uns durch das wunderschöne Heim einer äußerst mutigen Dame führt. Faye war 29 Jahre, als sie 1961 als Köchin alleine mit ihrem Auto hier ankam. In relativ kurzer Zeit hatte sie sich etabliert. Aufgrund ihrer hervorragenden Koch-Qualitäten baute ihr die Community ihr eigenes Kaffeehaus. Leider, oder zu ihrem Glück, machte ein extrem starker Tornado ihre Einnahmequelle nach wenigen Jahren dem Erdboden gleich. Sie versuchte ihr Glück in den Minen und wurde fündig. Mit ihrem ersten großen Schatz konnte sie sich 1971 ihr erstes kleines Dugout kaufen, das sie in den folgenden Jahren erweiterte und zu einem wahren Schmuckkästchen gestaltete.

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Sehr geschmackvoll eingerichtet, wenn man bedenkt, dass die Einrichtung aus den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts stammt. 

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Faye lebte nicht allzu lange alleine. 2 weitere abenteuerlustige Damen fanden sich in Coober Pedy ein und die 3 jungen Frauen schafften sich nicht nur ein ordentliches Vermögen an, sondern auch den Respekt in der dominierenden Männerwelt des Minings. Damals gab es eine strikte Wasserrationierung pro Haushalt, die kaum ausreichte, um Körperpflege zu betreiben. Nachdem Faye es zu einem beachtlichen Vermögen gebracht hatte, erfüllte sie sich einen sehnlichen Wunsch: Ein Pool - das extrem wertvolle Wasser für das Basin musste aus Port Augusta hergeschafft werden. Man kann sich vorstellen, was das damals gekostet haben muss!

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Faye war sehr sozial und so durften auch die Einheimischen hier baden. Sie verlangte keinen Eintritt, wohl aber bat sie um eine Spende für die „flying doctors“, die hier oft als Lebensretter fungieren mussten. 

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Wir besuchen auch eine alte, aufgelassene Opalmine im Ort. Heute darf nur noch außerhalb der Ortschaft nach diesen Edelsteinen gesucht werden. 

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Wir erfahren hier unter welch widrigsten Bedingungen die Menschen seit Beginn des 20. Jahrhunderts oft Jahrzehnte ihres Lebens damit verbrachten, in der Hoffnung zu Reichtum zu gelangen. 2/3 des weltweiten Vorkommen der weißen Opale stammt übrigens aus der Gegend.

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So kletterten die Bergleute täglich in und aus dem Schacht. 

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Manche gruben sich selber eine Mine, die dann gleichzeitig auch als ihre Wohnstätte diente. 

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Uns fällt sofort auf, dass sich hier fast alles in griechischer Hand befindet. An der Tankstelle sitzen am Nachmittag immer ein halbes Dutzend Hellenen beim Kaffedaki und palavern in ihrer Landessprache. 

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Der einäugige Opalhändler, ein richtiges Schlitzohr, stammt aus Athen und will mir einen Edelstein verkaufen, den ich um ein 10faches in Österreich weiterverkaufen könnte. (Meine Recherche vor dem Kauf ergab, dass das Medaillon nur etwa 1/3 des Kaufpreises wert war ;-)) Unser Campgroundbesitzer, ein Ponti aus Thessaloniki, der auch eine fabelhafte Pizzaria führt, erzählt uns, dass er vor 35 Jahren hierher zog. "Damals lebten noch über 2000 Griechen hier, heute sind es keine 120 mehr,“ sinniert er weiter.  

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Die Deutschen und Italiener sind ebenfalls abgewandert, weiße Australier gibt es hier wenige. Dafür haben wir hier erstmals näheren Kontakt zur indigenen Bevölkerung. Vormittags sieht man sie kaum, aber am späten Nachmittag wimmelt die Ortschaft von den Natureinwohnern. 

Gehört haben wir sie dann dafür lautstark bis um 6 Uhr früh! 

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16. August 2019

Im Outback von New South Wales 

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Gerade rechtzeitig zur Happy Hour erreichen wir den originellen Campground von Warrawong. Er liegt etwas außerhalb der winzigen Ortschaft Willcannio, die einen sehr berüchtigten Ruf hat, wie wir später erfahren werden. Die indigene Bevölkerung ist bekannt dafür, dass sie bei Alkoholkonsum äußerst aggressiv sein kann und mangels Drogen schnüffelt die Jugend gerne am Treibstoff.

Eine kleine Runde versammelt sich am Lagerfeuer und jeder erzählt Stories von seinem Leben. Die Rezeptionistin ist neu hier. Sie stammt aus Western Australia und wartet mit den gruseligsten Geschichten von extrem gefährlichen Leistenkrokodilen auf. Nebenbei kredenzt sie Käse und Crackers, die der Besitzer täglich zum Sundowner bereit stellt. Die Getränke bringen die Gäste selber mit. Eine Gruppe junger Männer bratet Lamm am Spieß. Es duftet herrlich, aber wir  entschließen uns, das Dinner heute ausfallen zu lassen, denn die Campkitchen ist offen und extrem primitiv ausgestattet. 

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In der Nacht sinken die Temperaturen auf -2 Grad Celsius. Um 4 Uhr morgens werde ich munter. Ich lausche angespannt in die Stille der dunklen Nacht. Ein Schauer läuft mir über den Rücken, als ich das gespenstische Heulen einiger Wildhunde vernehme. Meine Zehen sind, obwohl ich 2 paar Socken anhabe, eiskalt. Ebenso fühlt sich die Wärmflasche an, die ich zwischen meine Knie gepresst habe. Dennoch verwerfe ich den Gedanken, mir frisches heißes Wasser zu holen, als die Dingos sich wieder melden.

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Am nächsten Tag erreichen wir Broken Hill. Wie eine Insel liegt die Stadt im Outback. Die Straßennamen deuten schon darauf hin, wie es diese Stadt und einige Bürger zu immensem Reichtum brachten. 

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Ende des 19. Jahrhunderts wurde hier die Line of Lode entdeckt. Eine Ader mit silber- zink- und bleihaltigem Erz mit 7,5 km Länge und 250 m Breite. Das weltweit größte Einzelvorkommen dieser Art. Die Erträge aus den Minen der Stadt werden bis heute auf mehr als 100 Mrd. Dollar geschätzt. 

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Wir besichtigen das Broken Earth Complex und Mineral Memorial, das weit sichtbar auf einem Hügel der Stadt liegt. Es ist den 810 Bergleuten gewidmet, die in den Minen ihr Leben lassen mussten. Der jüngste Mann, dessen Name an der Wand eingraviert ist, war gerade mal 12 Jahre. 

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Dann gibt es noch einen Skulpturenhügel, nicht unweit vom Zentrum. Auf dem 180 ha großem Naturreservat hat man von internationalen Künstlern 12 Sandsteingebilde anfertigen lassen. Wieder findet man sich auf einer Anhöhe und hat dort wirklich eine atemberaubende Aussicht über die Weiten des Outback. 

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Keine 25 km von Broken Hill befindet sich die Geisterstadt Silverton. 

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Einst war es eine muntere Bergabaustadt, aber diese Zeiten sind längst vorbei. 

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Dafür kann Silverton nun damit prahlen, dass Szenen für über 140 Filme und Werbespots hier gedreht wurden. 

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Der berühmteste ist wohl Mad Max II, mit dem Mel Gibson internationale Berühmtheit erlangte. 

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Das Pub im Hotel ist legendär und absolut sehenswert. Dass Essen gut und das Bier vom Fass eiskalt. 

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Von den 5 Esel, die hier lebten gibt es nur noch 2. Sie sind extrem zutraulich und gehören heute ebenso zur beliebten Touristenattraktion.

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Dann gibt es noch eine Kunstgalerie, die allerlei Kurioses zu bieten hat. 

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Kunst ist Ansichtssache, sag ich immer. Aber man ist zumindest bemüht den Leuten irgendwas für ihr Geld hier zu bieten. 

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Von hier aus kann man Kameltouren oder Motorradtouren in die absolute Wildnis unternehmen. Biker kommen hier voll auf ihre Kosten. 

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Es ist unglaublich, aber wir waren 2 Mal hier in Silverton und es ist immer was los!

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11. August 2019

Ein Gold Class Ticket zum Geburtstag 

und der heftigste Wintersturm der Saison

Am vergangenen Dienstag waren wir nach fast 3 Monaten endlich wieder in Down Under! Ich nehme einen tiefen Brustzug dieser frischen, kalten Luft am  Airport in Kingsford und bekomme sofort einen Hustenanfall. Der ganze Dreck aus Siem Reap, Phnom Penh und Bangkok scheint sich auf einmal aus meinen Lungen lösen zu wollen! Dabei ist Sydney auch eine pulsierende Millionenstadt, aber mit ihren weitläufigen Naturparks eben auch eine extrem grüne Stadt.  

Die Einreise ist denkbar einfach und unkompliziert. Unser Gepäck wird gar nicht erst kontrolliert. Unser erster Weg führt uns mit einem mulmigen Gefühl zum Parkaus, doch unser Jeep steht da, wie wir ihn verlassen haben. Nachdem Hannes die Batterien angeschlossen hat, springt er auch anstandslos an und wir fahren in einen nahe gelegenen Park an der Botany Bay, wo wir unser Penthouse aufstellen und uns erst einmal ein paar Stunden ausschlafen. Wie praktisch ist es doch, mit seinem eigenen Heim am Autodach zu reisen ;-)

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Hannes feiert seinen 57. Geburtstag dieses Jahr in Sydney. Wieder eine geniale Destination und unvergesslich. Er wünscht sich den neuen Film Lion King im Kino anzusehen. Von unserem Campground sind es nur 20 Gehminuten bis zur Mail, wo es im 4. Stockwerk ein Eventkino gibt. Wir buchen Karten für die Gold Class Vorstellung, die meines Erachtens ziemlich teuer ausfallen. Dafür gibt es kulinarische Betreuung während des Filmes, meint der junge Mann am Ticketschalter. Dass es dort neben Speisen- und Getränkeservice auch riesige Ledersessel mit verstellbaren Rücken- und Fußteilen gibt, das hat er mir vorenthalten! So macht Kino auch für über 50jährige mit Barmah Forest Virus und Bandscheibenvorfällen Spaß ;-) 

Der Film ist btw extrem gut gemacht - Prädikat: „sehr sehenswert“!

Nachdem wr unsere Post aus Österreich am Parcel Locker (Übers internet meldet man sich bei der Australischen Post an und kann ganz simple seine Post entweder in einem Postfach oder direkt bei der Post abholen / gratis Service der australischen Post für Touristen!) abgeholten, waren wir bereit für unser Abenteuer: Einmal um und durch Down Under!

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Ursprünglich hatten wir geplant uns Canberra noch einmal genauer anzusehen. Jetzt hören wir in den Nachrichten, dass der heftigste Wintersturm der Saison durch Südaustralien und New South Wales ziehen soll! Schnee bis auf 500 Meter und Temperaturen um den Gefrierpunkt soll es geben. Planänderung - ab geht es der Küste entlang nach Norden! 

Unsere erste Station ist in der Nähe von Pittwater. 

Gleich neben den Narrabeen Heads quartieren wir uns ein. Wir kochen uns noch eine Kleinigkeit in der Gemeinschaftsküche und machen noch einen Abendspaziergang auf die Anhöhen, um einen gigantischen Blick auf die Küste zu erhaschen. 

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Die Nacht im Dachzelt ist kalt, aber mit heißen Wärmeflaschen in unseren Schlafsäcken überhaupt kein Problem. In der Früh beim Aufwachen haben wir beide rote Backen, eiskalte Nasen und Ohren - und nein, die sind nicht von den warmen Sonnenstrahlen, die uns durch unsere „Fenster“ wachkitzeln. 

Newcastle ist auch sehr schön! 

Hier gibt es den größten Exporthafen des gesamten Commonwealth. Im 18 Jhdt als Straf- und Arbeitslager gegründet, wandelte sich die Stadt mit dem einkehrenden Tourismus in eine hübsche Kleinstadt mit wunderschönen Promenaden, Cafés etc. 

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An der Küste kann man einige Kilometer an einem weißen Sandstrand entlang schlendern (es gibt auch einen asphaltierten Gehweg) und gelangt bis zu den Merewether Bädern. Auch in Newcastle gibt es solch eine Freiluftbadeanstalt, gegründet 1922! Heute sind diese Anlagen menschenleer. Kein Wunder - haben wir doch 35 Knoten Wind und keine 15 Grad Celsius, gefühlt die Hälfte!

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Von Newcastle aus drehen wir nach Westen ab und nehmen den Golden Highway, der uns über die Great Dividing Range führt. Die Eastern Highlands, wie sie auch genannt werden, sind eine verhältnismäßig junge Bergkette, die sich entlang der Küste bis nach Tasmanien zieht. Hier gibt es sowohl die höchsten Gipfel des Landes, als auch große Hochebenen. 

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Kürbisse wachsen neben den Eisenbahngleisen, die Samen wurden wohl vom Winde verweht. Wilde Kängurus, Schafe und Ziegen sehen wir links und rechts in der steppenartigen Gegend grasen. Dutzende, möglicherweise hunderte Tierkadaver säumen die Strassenränder. 

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Es hat 3 Grad Celsius und während wir an einer Raststation ein kurzes Nickerchen einlegen, wettert draußen ein heftiger, aber kurzer Hagelschauer auf unseren Jeep nieder. Heute gönnen wir uns ein sauberes, warmes Hotel - keine Diskussion! Hannes spricht ein Machtwort und ich füge mich - gerne ;-)

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Und jetzt, nach einer dringenden Kaffeepause, sind wir gerade auf dem Mitchel Highway von Cobar nach Broken Hill unterwegs. Ab morgen soll das Wetter besser werden. Hoffentlich….

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